Anlässlich des Neubaus der Neuapostolischen Kirche in der Eifelstraße führte unsere Redaktion ein Gespräch mit Hirte i.R. Ernst Kogel.
Seit wann sind Sie Mitglied der Gemeinde Aachen?
Ich bin schon seit meiner Geburt Mitglied in der Gemeinde Aachen und wurde dort als Säugling kurz nach meiner Geburt am 22.01.33 getauft und am 04.12.33 versiegelt.
Wie haben Sie als Jugendlicher den Neubau des Kirchengebäudes in der Eifelstraße erlebt?
Bis zum Neubau der Kirche fanden die Gottesdienste in der Ottostraße statt. Die Neuapostolische Gemeinde hatte dort in einer Kistenfabrik einen Saal in der ersten Etage. Es gab keinen Vorraum für Garderobe oder Nebenräume für Unterrichte der Kinder. Die Bedingungen in der Ottostraße waren insgesamt sehr bescheiden, man kann schon mit Recht sagen erbärmlich. Deshalb war die Freude groß, dass wir ein eigenes Kirchengebäude haben sollten, ein würdiges Haus für unsere Gottesdienste.
Während der Bauzeit sind wir Jugendlichen oft zur Baustelle gegangen, um den Fortschritt mitzuerleben. Wir legten auch mit Hand an. Viele Außenarbeiten wurden von den Jugendlichen der Gemeinde in Eigenregie durchgeführt, was wir wirklich mit großer Begeisterung taten.
Welche Erinnerungen haben Sie an den Einweihungsgottesdienst (21.12.52) und die ersten Jahre in dem neuen Kirchengebäude?
Mit großer Freude und Spannung haben wir der Einweihung entgegengefiebert. Alles sollte besonders schön sein.
Der Einweihungsgottesdienst wurde von Apostel Kuhlen durchgeführt. Die Kirche war brechend voll, denn ungefähr 400 Gläubige nahmen an dem Gottesdienst teil.
Für mich persönlich haben die ersten Jahre auch eine besondere Bedeutung, denn ich wurde im September 1954 in das Amt des Unterdiakonen ordiniert und empfing auch später weitere Ämter in Aachen-Mitte.
Von welchen besonderen Ereignissen aus den vergangenen Jahrzehnten können Sie uns berichten?
In den ersten Jahren war Hirte Dunkmann der Vorsteher der Gemeinde, er war ein großes Vorbild für uns. Die Geschwister hatten untereinander einen sehr engen und herzlichen Kontakt, wir lebten praktisch in und mit der Gemeinde. Auch die Jugendlichen der Gemeinde trafen sich regelmäßig an jedem Sonntag.
Besondere Highlights waren Gottesdienste mit dem Apostel oder dem Stammapostel. Es gab damals so viele Geschwister in der Gemeinde, dass bei einem Apostelgottesdienst nicht alle Platz im Kirchenschiff und Jugendsaal fanden. Deshalb nahmen die Kinder nicht am GD teil, sondern wurden währenddessen von jugendlichen Schwestern betreut.
Es gab auch noch keine extra Kinderräume für die Kleinsten, in denen Mütter und Kinder am Gottesdienst teilnehmen konnten, ohne dass die Gemeinde gestört wurde. Deshalb mussten die Mütter mit den Kleinkindern den Gottesdienst in der Garderobe über Lautsprecher erleben. Für unsere heutigen Vorstellungen eine untragbare Situation.
Wir hatten auch immer einen schönen großen Chor, der in jedem Gottesdienst sang. Es gab so viel sangeswillige Geschwister für den Gemeindechor, dass es in den Anfangsjahren eine Altersbegrenzung von 45 Jahren gab, damit jugendliche Sänger nachrücken konnten.
Im Laufe der Jahrzehnte gingen aus der Gemeinde Aachen fünf weitere Gemeinden hervor. Heute gibt es nur noch Aachen-Mitte und Aachen-Süd.
Wieso ist es jetzt sinnvoll das alte Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen?
Das Gebäude ist nicht behindertengerecht. Alle Nebenräume befinden sich im Keller und entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen.
Dazu gibt es Gebäudeschäden und die Heizung müsste auch ausgetauscht werden.
Welche Erwartungen haben Sie bezüglich des Neubaus?
Ich freue mich zum 2. Mal in meinem Leben auf ein neues Kirchengebäude in der Eifelstraße. Und natürlich habe ich die Erwartung, dass ich mich dort sehr wohl fühlen werde und wir unsere schöne Gemeinschaft fortsetzen können
4. Juni 2024
Text:
MBL
Fotos:
MBL
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